Steuern

Ausserordentliche Abschreibungen auf Immobilien

Für Immobilien wie für alle anderen Aktiven gilt, dass eine Abschreibung steuerlich betrachtet nur dann gerechtfertigt ist, wenn sie aufgrund des Gebrauchs oder wegen des Zeitablaufs auch tatsächlich entwertet werden. Ein Vermögenswert, welcher keinerlei Wertminderung unterliegt, soll nicht abgeschrieben werden, unabhängig davon, welche Abschreibungsmethode zur Anwendung käme; in Ermangelung eines Minderwerts wäre die geschäftsmässige Begründetheit der Abschreibung zu verneinen. (BGE 132 I 175 E. 2.3 S. 179)

Aus diesem früheren Entscheid leitete das Bundesgericht ab, dass ausserordentliche Abschreibungen auf Gebäuden nur dann zulässig sind, wenn eine Wertverminderung tatsächlich eingetreten ist. Auch wenn ein Gebäude in der nächsten Steuerperiode vor Ablauf der natürlichen Lebenszeit abgerissen werden soll, sind keine überhöhten Abschreibungen zulässig.

Quelle: BGer 16.7.2018 (2C_330/2017)

Steuerliche Behandlung von Kryptowährungen

Kryptowährungen sind digitale Rechnungseinheiten, die als Zahlungsmittel und Kapitalanlage dienen können. Der Besitz von Einheiten in Kryptowährungen wie Bitcoin ist wirtschaftlich vergleichbar mit dem Besitz von Bargeld oder Edelmetallen.

Aus Gründen der Einfachheit sind diese im Wertschriften- und Guthabenverzeichnis als „übrige Guthaben“, mit Angabe der Bezeichnung der Kryptowährung zu deklarieren. Der Nachweis hat mittels eines Ausdrucks der digitalen Brieftasche (Wallet), Stand per Ende der Steuerperiode, zu erfolgen.

Kapitalgewinne aus beweglichem Privatvermögen sind steuerfrei (§ 16 Abs. 3 StG) und Kapitalverluste sind steuerlich unbeachtlich. Gehören Kryptowährungen zum Geschäftsvermögen gelten die steuerrechtlichen Bestimmungen über die selbständige Erwerbstätigkeit. Dies gilt insbesondere für den gewerbsmässigen Handel mit Kryptowährungen. Für die Abgrenzung zur privaten Vermögensverwaltung wird die Praxis zum gewerbsmässigen Wertschriftenhandel (Kreisschreiben Nr. 36 der Eidgenössischen Steuerverwaltung vom 27. Juli 2012) sinngemäss angewendet.

Das Schürfen (Mining) von Kryptowährungen durch Zurverfügungstellung von Rechenleistung gegen Entgelt durch eine natürliche Person führt bei dieser zu steuerbarem Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit.
(Quelle: Mitteilung Kant. Steueramt Zürich)

Neue MWST-Sätze per 1.1.2018

Als Folge der Ablehnung der Volksabstimmung über die "Altersvorsorge 2020" vom 24. September 2017 sinken die Mehrwertsteuersätze per 1. Januar 2018. Die geltenden Steuersätze (effektive Methode) werden wie folgt angepasst:

Bisher         Neu
8%               7.7%        Normalsatz
2.5%            2.5%        Reduzierter Satz
3.8%            3.7%        Beherbergungsdienstleistungen

Wichtig zu wissen ist, dass der anzuwendende Steuersatz weder durch das Datum der Rechnungsstellung, noch der Zahlung definiert wird, sondern einzig durch den Zeitpunkt bzw. den Zeitraum der Leistungserbringung.

Erbringt also ein Unternehmen Leistungen über das Jahresende 2017 hinweg, so sind die im Jahr 2017 erbrachten Leistungen zu 8% und die im Jahr 2018 erbrachten Leistungen mit 7.7% zu versteuern. Beide Leistungszeiträume sind in der Faktura separat auszuweisen, egal ob sie mit der effektiven Methode oder mit dem Saldosteuersatz abrechnen. Die eidg. Steuerverwaltung wird die Formulare Q4.2017 bzw. S2.2017 entsprechend anpassen, damit Sie die Abrechnung ordnungsgemäss ausfüllen können.

Beachten Sie, dass Sie Software für Auftragsbearbeitung bzw. das Kassasystem früh genug mit den neuen Sätzen einrichten und schulen Sie ihr Personal, um eingehende Rechnungen auf die Gesetzeskonformität hin zu kontrollieren. 
 

Steuerabzug bei Auflösung der Hypothek

Entschädigungszahlungen für den vorzeitigen Ausstieg aus einer Hypothek können bei der Einkommens- oder bei der Grundstückgewinnsteuer in Abzug gebracht werden. Das Bundesgericht präzisiert die Voraussetzungen und schuf drei verschiedene Arbeitshypothesen, die ab April 2017 neu gelten:

Fall 1:
Wird eine Immobilie verkauft und die damit im Zusammenhang stehende Hypothek vorgängig aufgelöst, kann die zu entrichtende Vorfälligkeitsentschädigung bei der Grundstücksgewinnsteuer als abzugsfähige Anlagekosten in Abzug gebracht werden.

Fall 2:
Wird im Zusammenhang mit einer Umfinanzierung bei einer Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig, kann diese bei der Einkommenssteuer in Abzug gebracht werden, sofern bei der selben Bank eine neue Darlehensbeziehung vereinbart wird. Hier handelt es sich lediglich um eine Veränderung des bestehenden Schuldverhältnisses.

Fall 3:
Differenziert sieht es das Bundesgericht, wenn die neue Hypothek bei einer anderen Bank eingegangen wird. In einem solchen Fall qualifiziere die Vorfälligkeitsentschädigung als Konventionalstrafe bzw. Schadenersatz und könne weder bei der Grundstücksgewinnsteuer noch bei der Einkommenssteuer in Abzug gebracht werden.

Gleichzeitig hält das Bundesgericht fest, dass ein Abzug sowohl bei der Grundstücksgewinnsteuer als auch bei der Einkommenssteuer ausgeschlossen sei. Diejenigen Auslagen, die schon im Rahmen der einen Steuer in Abzug gebracht wurden, können nicht noch einmal bei einer anderen Steuer abgezogen werden.
(Quelle: BGer 3.4.2017 (2C_1165/2014, 2C_1166/2014, 2C_1148/2015)

Schenken Eltern ihren drei Kindern je 3 Mio. Franken und lassen sich von diesen je 2 Mio. Franken in Form von verzinslichem Darlehen zurück geben, liegt eine Steuerumgehung vor.

Es ist zwar durchaus üblich, dass Eltern ihren Kindern Erbvorbezüge als Schenkungen ausrichten. Auch das Aufnehmen eines von den Kindern gewährten Darlehens erscheint für sich genommen nicht ungewöhnlich. Die zeitgleiche Vornahme der beiden Rechtsgeschäfte ist indessen als ungewöhnlich zu bezeichnen.

Dies gilt auch im vorliegenden Fall, in welchem für die gewählte Rechtsgestaltung keine aussersteuerlichen Gründe erkennbar sind. Für die gewählte Kombination von Schenkungen mit anschliessender Darlehensgewährung in einem erheblichen Teilbetrag seien ausschliesslich Steuerersparnisgründe ersichtlich.

Die Darlehensschulden in der Höhe von 6 Mio. Franken werden daher nicht anerkannt und der Schuldenabzug nicht zugelassen.
(Quelle: BGer vom 3. April 2017 / 2C_842/2016)

Bundesgericht präzisiert die Mindestdauer eines Steueraufschubes infolge Ersatzbeschaffung bei der Grundstückgewinnsteuer

Eine mögliche Grundstückgewinnsteuer infolge Verkauf des selbstgenutzten Wohneigentums kann ganz oder teilweise aufgeschoben werden, wenn erneut Wohneigentum erworben wird mit dem Ziel, dieses selbst und dauernd als Hauptwohnsitz zu benutzen.

Im hier erwähnten Entscheid musste das Bundesgericht beurteilen, ob ein Wegzug nach 22 Monaten aus dem Ersatzobjekt den Steueraufschub aufhebt und die Steuer des Erstverkaufes auslösen würde.

Aufgrund des verbindlich festgehaltenen Sachverhalts erfüllte der Beschwerdeführer die Anforderungen an die Wohnsitznahme und hat dementsprechend das neu erworbene Wohneigentum dauernd und ausschliesslich selbstgenutzt. Er hätte seinen neuen Wohnsitz sogar begründet, wenn er von Beginn an vorgehabt hätte, dort nur 22 Monate zu verweilen.

Auch stellt sich die Frage eines Rechtsmissbrauchs nicht, bei dem der Steueraufschub zu verweigern gewesen wäre, wie die Vorinstanz verbindlich festgehalten hat, denn der Beschwerdeführer musste nachträglich aufgrund äusserer Umstände den Wohnsitz erneut verlegen.

In der Folge lässt die Finanzdirektion des Kantons Zürich den Passus der 5-Jahres-Frist für den Wegfall des Steueraufschubes bei Zweckentfremdung im Rundschreiben vom 31. März 2014 an die Gemeinden anpassen.
(Quelle: BGer 2C_306/2016)

Stolpersteine bei Firmenverkäufen

Wird beim Verkauf einer Unternehmung vereinbart, dass die Bezahlung des Kaufpreises vom Fortbestand des Arbeitsverhältnisses des Veräusserers mit der Gesellschaft abhängt, qualifizieren die Zahlungen nicht als steuerfreien Kapitalgewinn, sondern als Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit.

So hat das Gericht den gesamten Kapitalgewinn aus dem Verkauf eines Unternehmens als steuerbares Lohneinkommen eingestuft. Dieses Urteil dürfte künftige Verkäufe von jungen Startup-Unternehmen, aber auch Unternehmensverkäufe in Hinblick auf die Pensionierung beeinflussen. Er wirft neben steuerrechtlichen auch sozialversicherungsrechtliche Fragen auf.

Die Richter begründen diesen Entscheid damit, dass eine Vereinbarung, wonach die Bezahlung des Kaufpreises vom Fortbestand des Arbeitsverhältnisses mit der Gesellschaft abhänge, atypisch sei für einen Kaufvertrag. Dies lege nahe, dass die Zahlung nicht für die Eigentumsübertragung an den Aktien erfolge, sondern als Entschädigung für die zukünftig zu leistende Arbeit des Veräusserers als Angestellter der Gesellschaft.
(Quelle: BGer 2C_618/2014 und 2C_619/2014)

Hauptsteuerdomizil bei Wohnsitzverlegung ins Ausland

Für eine Wohnsitzverlegung ins Ausland genügt es nicht, die Verbindung zum bisherigen Wohnsitz zu lösen; entscheidend ist vielmehr, dass nach den gesamten Umständen ein neuer Wohnsitz im Ausland begründet worden ist.
 
Da grundsätzlich niemand an mehreren Orten zugleich Wohnsitz haben kann, bleibt der einmal begründete Wohnsitz grundsätzlich bis zum Erwerb eines neuen bestehen.
Vorliegend steht zwar fest, dass der Steuerpflichtige IV-Rentner den knapp grösseren Teil des Jahres in Thailand verbracht hat, entscheidend ist aber, dass er die für die Frage des Lebensmittelpunktes zentrale eheliche Beziehung weiterhin überwiegend in der Schweiz gelebt hat. Soziale Beziehungen zu Personen in Thailand wurden schliesslich nicht hinreichend substanziiert dargetan.
Für das Bundesgericht steht deshalb fest, dass der Beschwerdeführer den ihm obliegenden Nachweis der Begründung eines neuen ausländischen Wohnsitzes nicht zu erbringen vermochte.
(BGer, 7.5.2014 / 2C_793/2013)

Sozialabzüge und Steuertarif bei gemeinsamer Sorge der Kinder

Die Weisung der Zürcher Finanzdirektion über Sozialabzüge und Steuertarife und das Merkblatt des kantonalen Steueramtes über die Gewährung von Sozialabzügen und die Anwendung der Steuertarife bei Familien wurden an die erfolgten Gesetzesänderungen angepasst.

Die angepasste Weisung der Finanzdirektion (ZStB Nr. 20/004) und das angepasste Merkblatt des kantonalen Steueramtes (ZStB Nr. 20/013) berücksichtigten die auf den 1. Januar 2015 in Kraft getretene Teilrevision des Steuergesetzes, mit welcher die Besteuerung bei gemeinsamer elterlicher Sorge nicht gemeinsam besteuerter Eltern neu geregelt bzw. an die seit 1. Januar 2011 gültige Regelung bei der direkten Bundessteuer angeglichen wurde.
(Quelle: Finanzdirektion Kanton Zürich)

Sanierung mittels Forderungsverzicht durch Aktionäre

An der langjährigen ESTV-Praxis, wonach Forderungsverzichte, gleichgültig ob der Verzicht von einem Aktionär oder einem Gläubiger ausgespochen wurde, grundsätzlich erfolgswirksam zu buchen sind, wird festgehalten. (echter Sanierungsertrag)

Im Sinne einer Ausnahme werden Forderungsverzichte von Aktionären nur dann dem Ertrag nicht zugerechnet, wenn und soweit es sich entweder um eine Darlehensforderung handelt, die mit Blick auf den schlechten Geschäftsgang gewährt wurde und unter den gleichen Umständen von unabhängigen Dritten nicht zugestanden worden wären. (unechter Sanierungsertrag).
(Quelle: Bier, 20.10.2014 82C_634/2012)

Anforderung an die Kassabuchführung bei bargeldintensivem Verkehr

Die Anforderungen an Kassabücher hängen nicht von der kaufmännischen Buchführungspflicht, sondern letztlich einzig von der Art und Grösse, namentlich aber der Bargeldintensivität eines Betriebs ab.

Wird das Gebot der lückenlosen Erfassung des Bargeldverkehrs missachtet, so lässt sich der Erfolg des Unternehmens regelmässig im nachhinein nicht mehr genau ermitteln. Wohl vermögen Vorbücher oder Vorjournale die Aufgabe zu erleichtern; weil sie jedoch als solche nicht sämtliche Bareinnahmen und -auslagen erfassen, kann auf die zeitnahe Führung des Kassenbuchs nicht verzichtet werden.

Ein elektronisch bzw. EDV-geführtes Kassabuch wird steuerlich (nur) anerkannt, wenn die regelmässigen Saldierungen – verbunden mit einem Kassasturz – nachweislich vorgenommen wurden und sich die einzelnen Einträge, d. h. Datierung, Text, Betrag der Einnahme(n), Ausgabe(n) und Saldo nach deren Eingabe als (EDV-mässig) nicht überschreibbar, unauslöschlich und nicht unterdrückbar erweisen

Abgrenzung zwischen Privat- und Geschäftsvermögen bei Veräusserung von Beteiligungen

Zu den Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit zählen unter anderem auch alle Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Geschäftsvermögen. Steuerfrei sind hingegen Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Privatvermögen.

Bei Beteiligungsrechten liegt dann Geschäftsvermögen vor, wenn eine enge wirtschaftliche Beziehung zwischen der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft und der beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen besteht. Im vorliegenden Fall ist die Pflichtige, seit Jahren als Vertriebspartnerin für eine grosse Kapitalgesellschaft selbständig erwerbstätig und konnte im Rahmen einer Kapitalerhöhung wandelbare Vorzugsaktien besagter Gesellschaft zu einem sehr günstigen Preis erwerben und sie nach erfolgtem Börsengang mit grossem Gewinn veräussern.

Die Bevorzugung beim Aktienerwerb sowie die Tatsache, dass der Pflichtigen praktisch die gesamte Kaufsumme in Form von Umwandlungsprämien und Dividenden zurückerstatt wurde, sprechen für das Bestehen des erforderlichen wirtschaftlich engen Zusammenhangs. Deshalb sind die mit grossem Gewinn verkauften Aktien als Geschäftsvermögen zu qualifzieren und bilden demnach steuerbares Einkommen.
(Quelle: DBG/StHG/BGer)