Einkommenssteuern

Steuerliche Behandlung von Kryptowährungen

Kryptowährungen sind digitale Rechnungseinheiten, die als Zahlungsmittel und Kapitalanlage dienen können. Der Besitz von Einheiten in Kryptowährungen wie Bitcoin ist wirtschaftlich vergleichbar mit dem Besitz von Bargeld oder Edelmetallen.

Aus Gründen der Einfachheit sind diese im Wertschriften- und Guthabenverzeichnis als „übrige Guthaben“, mit Angabe der Bezeichnung der Kryptowährung zu deklarieren. Der Nachweis hat mittels eines Ausdrucks der digitalen Brieftasche (Wallet), Stand per Ende der Steuerperiode, zu erfolgen.

Kapitalgewinne aus beweglichem Privatvermögen sind steuerfrei (§ 16 Abs. 3 StG) und Kapitalverluste sind steuerlich unbeachtlich. Gehören Kryptowährungen zum Geschäftsvermögen gelten die steuerrechtlichen Bestimmungen über die selbständige Erwerbstätigkeit. Dies gilt insbesondere für den gewerbsmässigen Handel mit Kryptowährungen. Für die Abgrenzung zur privaten Vermögensverwaltung wird die Praxis zum gewerbsmässigen Wertschriftenhandel (Kreisschreiben Nr. 36 der Eidgenössischen Steuerverwaltung vom 27. Juli 2012) sinngemäss angewendet.

Das Schürfen (Mining) von Kryptowährungen durch Zurverfügungstellung von Rechenleistung gegen Entgelt durch eine natürliche Person führt bei dieser zu steuerbarem Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit.
(Quelle: Mitteilung Kant. Steueramt Zürich)

Steuerabzug bei Auflösung der Hypothek

Entschädigungszahlungen für den vorzeitigen Ausstieg aus einer Hypothek können bei der Einkommens- oder bei der Grundstückgewinnsteuer in Abzug gebracht werden. Das Bundesgericht präzisiert die Voraussetzungen und schuf drei verschiedene Arbeitshypothesen, die ab April 2017 neu gelten:

Fall 1:
Wird eine Immobilie verkauft und die damit im Zusammenhang stehende Hypothek vorgängig aufgelöst, kann die zu entrichtende Vorfälligkeitsentschädigung bei der Grundstücksgewinnsteuer als abzugsfähige Anlagekosten in Abzug gebracht werden.

Fall 2:
Wird im Zusammenhang mit einer Umfinanzierung bei einer Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig, kann diese bei der Einkommenssteuer in Abzug gebracht werden, sofern bei der selben Bank eine neue Darlehensbeziehung vereinbart wird. Hier handelt es sich lediglich um eine Veränderung des bestehenden Schuldverhältnisses.

Fall 3:
Differenziert sieht es das Bundesgericht, wenn die neue Hypothek bei einer anderen Bank eingegangen wird. In einem solchen Fall qualifiziere die Vorfälligkeitsentschädigung als Konventionalstrafe bzw. Schadenersatz und könne weder bei der Grundstücksgewinnsteuer noch bei der Einkommenssteuer in Abzug gebracht werden.

Gleichzeitig hält das Bundesgericht fest, dass ein Abzug sowohl bei der Grundstücksgewinnsteuer als auch bei der Einkommenssteuer ausgeschlossen sei. Diejenigen Auslagen, die schon im Rahmen der einen Steuer in Abzug gebracht wurden, können nicht noch einmal bei einer anderen Steuer abgezogen werden.
(Quelle: BGer 3.4.2017 (2C_1165/2014, 2C_1166/2014, 2C_1148/2015)

Schenken Eltern ihren drei Kindern je 3 Mio. Franken und lassen sich von diesen je 2 Mio. Franken in Form von verzinslichem Darlehen zurück geben, liegt eine Steuerumgehung vor.

Es ist zwar durchaus üblich, dass Eltern ihren Kindern Erbvorbezüge als Schenkungen ausrichten. Auch das Aufnehmen eines von den Kindern gewährten Darlehens erscheint für sich genommen nicht ungewöhnlich. Die zeitgleiche Vornahme der beiden Rechtsgeschäfte ist indessen als ungewöhnlich zu bezeichnen.

Dies gilt auch im vorliegenden Fall, in welchem für die gewählte Rechtsgestaltung keine aussersteuerlichen Gründe erkennbar sind. Für die gewählte Kombination von Schenkungen mit anschliessender Darlehensgewährung in einem erheblichen Teilbetrag seien ausschliesslich Steuerersparnisgründe ersichtlich.

Die Darlehensschulden in der Höhe von 6 Mio. Franken werden daher nicht anerkannt und der Schuldenabzug nicht zugelassen.
(Quelle: BGer vom 3. April 2017 / 2C_842/2016)

Stolpersteine bei Firmenverkäufen

Wird beim Verkauf einer Unternehmung vereinbart, dass die Bezahlung des Kaufpreises vom Fortbestand des Arbeitsverhältnisses des Veräusserers mit der Gesellschaft abhängt, qualifizieren die Zahlungen nicht als steuerfreien Kapitalgewinn, sondern als Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit.

So hat das Gericht den gesamten Kapitalgewinn aus dem Verkauf eines Unternehmens als steuerbares Lohneinkommen eingestuft. Dieses Urteil dürfte künftige Verkäufe von jungen Startup-Unternehmen, aber auch Unternehmensverkäufe in Hinblick auf die Pensionierung beeinflussen. Er wirft neben steuerrechtlichen auch sozialversicherungsrechtliche Fragen auf.

Die Richter begründen diesen Entscheid damit, dass eine Vereinbarung, wonach die Bezahlung des Kaufpreises vom Fortbestand des Arbeitsverhältnisses mit der Gesellschaft abhänge, atypisch sei für einen Kaufvertrag. Dies lege nahe, dass die Zahlung nicht für die Eigentumsübertragung an den Aktien erfolge, sondern als Entschädigung für die zukünftig zu leistende Arbeit des Veräusserers als Angestellter der Gesellschaft.
(Quelle: BGer 2C_618/2014 und 2C_619/2014)

Hauptsteuerdomizil bei Wohnsitzverlegung ins Ausland

Für eine Wohnsitzverlegung ins Ausland genügt es nicht, die Verbindung zum bisherigen Wohnsitz zu lösen; entscheidend ist vielmehr, dass nach den gesamten Umständen ein neuer Wohnsitz im Ausland begründet worden ist.
 
Da grundsätzlich niemand an mehreren Orten zugleich Wohnsitz haben kann, bleibt der einmal begründete Wohnsitz grundsätzlich bis zum Erwerb eines neuen bestehen.
Vorliegend steht zwar fest, dass der Steuerpflichtige IV-Rentner den knapp grösseren Teil des Jahres in Thailand verbracht hat, entscheidend ist aber, dass er die für die Frage des Lebensmittelpunktes zentrale eheliche Beziehung weiterhin überwiegend in der Schweiz gelebt hat. Soziale Beziehungen zu Personen in Thailand wurden schliesslich nicht hinreichend substanziiert dargetan.
Für das Bundesgericht steht deshalb fest, dass der Beschwerdeführer den ihm obliegenden Nachweis der Begründung eines neuen ausländischen Wohnsitzes nicht zu erbringen vermochte.
(BGer, 7.5.2014 / 2C_793/2013)

Sozialabzüge und Steuertarif bei gemeinsamer Sorge der Kinder

Die Weisung der Zürcher Finanzdirektion über Sozialabzüge und Steuertarife und das Merkblatt des kantonalen Steueramtes über die Gewährung von Sozialabzügen und die Anwendung der Steuertarife bei Familien wurden an die erfolgten Gesetzesänderungen angepasst.

Die angepasste Weisung der Finanzdirektion (ZStB Nr. 20/004) und das angepasste Merkblatt des kantonalen Steueramtes (ZStB Nr. 20/013) berücksichtigten die auf den 1. Januar 2015 in Kraft getretene Teilrevision des Steuergesetzes, mit welcher die Besteuerung bei gemeinsamer elterlicher Sorge nicht gemeinsam besteuerter Eltern neu geregelt bzw. an die seit 1. Januar 2011 gültige Regelung bei der direkten Bundessteuer angeglichen wurde.
(Quelle: Finanzdirektion Kanton Zürich)

Sanierung mittels Forderungsverzicht durch Aktionäre

An der langjährigen ESTV-Praxis, wonach Forderungsverzichte, gleichgültig ob der Verzicht von einem Aktionär oder einem Gläubiger ausgespochen wurde, grundsätzlich erfolgswirksam zu buchen sind, wird festgehalten. (echter Sanierungsertrag)

Im Sinne einer Ausnahme werden Forderungsverzichte von Aktionären nur dann dem Ertrag nicht zugerechnet, wenn und soweit es sich entweder um eine Darlehensforderung handelt, die mit Blick auf den schlechten Geschäftsgang gewährt wurde und unter den gleichen Umständen von unabhängigen Dritten nicht zugestanden worden wären. (unechter Sanierungsertrag).
(Quelle: Bier, 20.10.2014 82C_634/2012)

Anforderung an die Kassabuchführung bei bargeldintensivem Verkehr

Die Anforderungen an Kassabücher hängen nicht von der kaufmännischen Buchführungspflicht, sondern letztlich einzig von der Art und Grösse, namentlich aber der Bargeldintensivität eines Betriebs ab.

Wird das Gebot der lückenlosen Erfassung des Bargeldverkehrs missachtet, so lässt sich der Erfolg des Unternehmens regelmässig im nachhinein nicht mehr genau ermitteln. Wohl vermögen Vorbücher oder Vorjournale die Aufgabe zu erleichtern; weil sie jedoch als solche nicht sämtliche Bareinnahmen und -auslagen erfassen, kann auf die zeitnahe Führung des Kassenbuchs nicht verzichtet werden.

Ein elektronisch bzw. EDV-geführtes Kassabuch wird steuerlich (nur) anerkannt, wenn die regelmässigen Saldierungen – verbunden mit einem Kassasturz – nachweislich vorgenommen wurden und sich die einzelnen Einträge, d. h. Datierung, Text, Betrag der Einnahme(n), Ausgabe(n) und Saldo nach deren Eingabe als (EDV-mässig) nicht überschreibbar, unauslöschlich und nicht unterdrückbar erweisen

Abgrenzung zwischen Privat- und Geschäftsvermögen bei Veräusserung von Beteiligungen

Zu den Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit zählen unter anderem auch alle Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Geschäftsvermögen. Steuerfrei sind hingegen Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Privatvermögen.

Bei Beteiligungsrechten liegt dann Geschäftsvermögen vor, wenn eine enge wirtschaftliche Beziehung zwischen der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft und der beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen besteht. Im vorliegenden Fall ist die Pflichtige, seit Jahren als Vertriebspartnerin für eine grosse Kapitalgesellschaft selbständig erwerbstätig und konnte im Rahmen einer Kapitalerhöhung wandelbare Vorzugsaktien besagter Gesellschaft zu einem sehr günstigen Preis erwerben und sie nach erfolgtem Börsengang mit grossem Gewinn veräussern.

Die Bevorzugung beim Aktienerwerb sowie die Tatsache, dass der Pflichtigen praktisch die gesamte Kaufsumme in Form von Umwandlungsprämien und Dividenden zurückerstatt wurde, sprechen für das Bestehen des erforderlichen wirtschaftlich engen Zusammenhangs. Deshalb sind die mit grossem Gewinn verkauften Aktien als Geschäftsvermögen zu qualifzieren und bilden demnach steuerbares Einkommen.
(Quelle: DBG/StHG/BGer)